Arche Nebra in Sachsen-Anhalt – der geschmiedete Himmel

20. Juli 2022

Fundort der Himmelsscheibe in Nebra

Fundort Nebra in Sachsen-Anhalt

Der geschmiedete Himmel im weiten Herzen Europas

Ein kleiner Ort in der Nähe von Halle – Nebra – bietet einen tiefen Einblick in das Leben der Menschen zur Bronzezeit. Vor ungefähr 3600 Jahren beobachteten die Menschen den Himmel mit Sternen und die Sonnenauf- und untergänge. Im Laufe der Jahrtausende sind ihre religiösen Bräuche und ihr Lebensalltag, ihre Ernährung und ihre Arbeit immer mehr in Vergessenheit geraten.

Blick in den Katalog, Der geschmiedete Himmel 2006

Archäologische Funde

Wie erfahren wir von dem Leben der Menschen und ihrem Wissen zur Astronomie? Schriftliche Quellen können weiterhelfen und manchmal sind archäologische Funde eine große Hilfe und sehr willkommen. Es sind gute Gelegenheiten, forschend das Leben dieser Menschen etwas genauer kennenzulernen. In Nebra spielte sich ein echter archäologischer Krimi ab.

Landesmuseum Halle

Kommen Sie mit nach Halle in das Landesmuseum für Vorgeschichte. In diesem Museum wird die berühmte Himmelsscheibe aufbewahrt und gezeigt. Es ist spannend, im dunklen Raum die dunkelgrüne Metallplatte mit den Goldbeschlägen funkeln zu sehen. Die Platte wird gemeinsam mit den Schwertern aus dem Fund bei Nebra präsentiert. Fahren Sie dann in die Umgebung von Halle nach Nebra zum Fundort der weltberühmten Himmelsscheibe. Trinken Sie auch einen Wein der Region Halle-Unstrut. Es ist ein Genuss.

Museumsneubau in Nebra

Himmelsscheibe – der Himmel geschmiedet?

Himmelsscheibe? Ja, Sie haben richtig gehört. Es ist eine etwa 30cm große runde Metallplatte, sie wiegt 2 kg und ist mit vielen kleinen goldenen Punkten beschlagen: 32 Goldsterne, dann zwei goldenen Horizontbögen und ein dritter Bogen, der als Barke gedeutet wird. Dieses besondere Zeugnis wurde in der Nähe von Nebra in Sachsen-Anhalt gefunden. Es ist die weltweit älteste konkrete Darstellung astronomischer Phänomene. Das Bild der Himmelsscheibe verbindet astronomische und mythische Erklärungen miteinander.

Goseck, Kalenderfundort

Himmelsscheibe – ein Krimi

1999 haben zwei Sondengänger mit ihrem Metallsuchgerät den Schatz aufgespürt. Sie dachten, es sei ein alter Metalldeckel und fanden dann aber auch noch Schwerter. Sie erkannten, dass es ein „echter“ Schatz war und verkauften ihn ein paar Tage später an einen Händler im Rheinland für 31000 DM. Dann ging die Scheibe über eine Vermittlerin an einen Sammler. Einem Berliner Museum wurde der Fund mit unscharfen Fotos für eine Million DM angeboten. Dann begannen detektivische Ermittlungen, unterstützt von der Polizei. In der Schweiz konnten der Fund übergeben und die Hehler 2002 festgenommen werden. Zum Glück konnten die gesamten Fundumstände rekonstruiert werden, wodurch viele Informationen der Forschung erhalten geblieben sind. Durch eine sehr gute Aufarbeitung und Präsentation macht es auch uns viel Freude, die Bedeutung der Himmelsscheibe vermittelt zu bekommen.

Krimi zur Fundgeschichte

Museumsbesuch in Nebra – Fundstätte

Ich möchte Ihnen den Ausflug zu diesem außergewöhnlich schönen archäologischen Fund empfehlen. Der Museumsneubau in Nebra ist einladend und ermöglicht Familien und Menschen jeden Alters eine abwechslungsreiche Beschäftigung mit Fund und Fundgeschichte. Wer in Halle dann die Himmelsscheibe bestaunt, sollte sich noch ein paar Stunden Zeit für die wunderschöne Stadt nehmen.

Landesmuseum in Halle – auch schon ein Blick ins Buch lohnt!

Was kann Kunst? Vom Denk-Mal zum Lese-Mal

17. Juli 2022

Rathausplatz in Bonn

Es ist Markt. Obststände, Blumen, viele Menschen, Gespräche und Lachen, Gerüche – Sicher erinnern Sie sich sofort an einen schönen Marktbesuch. Ich bin in Bonn vor dem eindrucksvollen Rathaus, das so gerne als Kulisse für schöne Hochzeitsfotos auf den Treppen genutzt wird.

Ein genauer Blick auf die Buchrücken im Boden

Denk-Mal, Ort der Bücherverbrennung 1933

Auf dem Boden zwischen den kleinen Pflastersteinen sehe ich Bücher. Es sind aus Bronze gearbeitete Buchrücken mit Schriften: August Bebel, Die Frau und der Sozialismus; Joseph Roth, Das Spinnennetz.

Unter unseren Füßen

Ich gehe suchend weiter und entdecke noch viele Bücher und eine Tafel im Boden. 60 Bücher wurden als „Lese-Zeichen“ und im Gedenken an die Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 im Jahr 2013 hier in den Boden eingelassen. Die Initiative dazu ging von Wolfgang Deuling aus, wurde von der Stadt Bonn unterstützt und von der Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen, Bürger*innen und Verbänden getragen.

Eine Jury entschied nach einem künstlerischen Wettbewerb, dass der Entwurf von Andreas Knitz und Horst Hoheisel zur Ausführung kommen sollte.

Gedenken am 10. Mai

Auf dem Bonner Marktplatz wird jedes Jahr eine Gedenkveranstaltung durchgeführt. Lesungen und Gespräche begleiten das Öffnen der Büchertruhe. Sie befindet sich unter der großen Tafel auf dem Boden. Dann wird aus den verbrannten Büchern zitiert. Die gespendeten Bücher werden anschließend verschenkt und die Truhe neu befüllt. Ein Wiedersehen gibt es in jedem Jahr an diesem Ort am 10. Mai. Es ist wichtig, dass wir uns Zeit nehmen, diese Zeiten nicht zu vergessen. Viele waren damals beteiligt. Es hat sehr lange gedauert, bis ein Ort des Erinnerns mitten in Bonn angelegt werden konnte.

So wird das Denk-Mal zum Lese-Mal!

Hintergründe zur Bücherverbrennung 1933 können Sie auf der Seite des Erinnerungsmals Bonn ausführlich nachlesen.

Vielleicht sehen wir uns mal am 10. Mai auf dem Bonner Marktplatz?

Siebengebirgsmuseum Königswinter

6. Juli 2022

Rheinblick von Rolandseck

Siebengebirgsmuseum in Königswinter

Willkommen in der Lounge des Rheintals, im VIP-Bereich des Siebengebirges! Das Siebengebirgsmuseum befindet sich in einem gut restaurierten Haus in der Altstadt von Königswinter.

Im Bus unterwegs! Auch ein Dampfschiff oder ein Zug konnte genutzt werden.

Lounge des Rheintals

Sie lachen und fragen sich, woher der Lounge-Gedanke kommt? Ich verbinde damit eine ruhige, besondere Atmosphäre des Wartens. Eine besondere Reise kann mit dem Warten in einer Lounge beginnen! Begleiten Sie mich in die Räume mit Bildern von Rheinburgen bei Sonnenauf- und untergang, vom Flusslauf, von kleinen Reisegruppen und lassen Sie Ihren Gedanken freien Lauf. Wie erholsam und schön müssen diese Spaziergänge und Wanderungen im Rheintal im 19. Jahrhundert gewesen sein. Die Bilder haben ein kleines Format. Sie entstanden unterwegs als Skizzen und Aquarelle. Im 19. Jahrhundert kamen viele Kunststudent*innen aus Düsseldorf ins Rheintal, um zu malen.

Königswinter, Siebengebirgsmuseum

Bahn hinauf zum Drachenfels – heute sehr bequem

Malers Wanderlied

Maler zeichnen das Rheintal

Die ersten Zeilen im „Malers Wanderlied“ klingen so: „Was gibt es Lust’gers auf der Welt, Als wie ein Maler sein…. Und stehe hier und stehe dort und zeichne, was mich freut….“.

Sie können diese Bilder betrachten und gleichzeitig in Gedanken am Rhein entlang spazieren. Dann hat unsere Rheinreise schon begonnen. In einem anderen Raum „treffen“ wir den Dichter Lord Byron auf seinem Weg von England in die Schweiz. Seine Poesie, die unterwegs entsteht, verbindet Liebesschmerz, Schwärmen und Landschaftsbeschreibung und lässt die Herzen englischer Fräuleins höher schlagen. Sie wollen alle an den Rhein sehen und sie wollen die Landschaft besuchen und alles „nacherleben“.

Auf dem Weg zur Drachenburg – heute vor 100 Jahren

Erste Touristen aus England

Können Sie sich vorstellen, dass die Menschen, die in den kleinen Orten am Rhein gelebt haben, diese englischen Touristen erstaunt betrachtet haben? Stellen Sie sich vor, dass sie ihr Leben im Steinbruch zugebracht haben oder in den Weinbergen – übrigens mit der Hilfe vieler Esel als Lasttiere. Plötzlich stehen diese Gäste in den Straßen! Wohin mit ihnen? Sollen wir unsere Betten vermieten und ihnen den Rhein zeigen? Es fühlt sich sehr fremd an und es ist herausfordernd. Schnell merken die Menschen, dass es funktioniert und stellen sich um.

Strukturwandel damals und heute

Strukturwandel vor 170 Jahren im Siebengebirge, so kann man die Veränderungen beschreiben. Im Museum erfahren wir einiges über die Gilde der Steinbrecher und sehen Werkzeuge, mit denen man Stein bearbeitet hat. Interessant ist, dass das Siebengebirge von den Preußen gekauft und dann unter Naturschutz gestellt wird (1836).

Rheinburgen in der Nähe und Ferne

Naturschutz

Die Natur wird geschützt und den Menschen vor Ort ist die Lebensgrundlage entzogen. Allerdings hat der Weitblick von damals für die Zukunft große Bedeutung. Diese einzigartige Landschaft bleibt erhalten. Können wir uns da etwas abgucken?

So erinnern wir uns…

Sie merken schon, dass das kleine Museum viele Themen vorstellt, dass die Kultur- und Lebensgeschichte eines ganzen Jahrhunderts sichtbar wird.

Siebengebirgsmuseum, Ausstellung zum Badespaß vor langer Zeit

Museum aktiv

Für Abwechslung ist gesorgt, denn Sie können auch heute ein Foto vom Eselsritt machen lassen, wie vor 100 Jahren oder eine kleine Karte drucken und Münzen in einen Musikautomaten mit Tanzmusik werfen.

Trinken Sie „beschwingt“ noch einen Kaffee setzen Ihren Spaziergang am Rhein entlang fort. Ich freue mich auf ihren Erlebnisbericht an dieser Stelle!

Café Cosy Corner – lohnt!

Was kann Kunst? Verwandeln und verzaubern

3. Juli 2022

Martin-Luther-Gymnasium in Wittenberg, 1995-1997

Was kann Kunst? Verwandeln und verzaubern

Stellen Sie sich vor, Sie besuchen eine Stadt im Osten Deutschlands, zum Beispiel Wittenberg und denken dabei mal nicht an Martin Luther. Gehen Sie mit mir in den Siedlungen rund um die Innenstadt spazieren. An vielen Stellen erkenne ich die typischen Plattenbauten, die in den 1970er Jahren in Serie gebaut wurden.

Martin-Luther-Gymnasium in Wittenberg

Versteckt: Plattenbau von 1975

Plötzlich tauchen kleine Türme, Balkone, runde Fenster und farbige Fliesen an den Wänden auf: eine große Schule steht mitten in der Siedlung. Ich laufe über den Schulhof des Martin-Luther-Gymnasium in Wittenberg.

Friedensreich Hundertwasser

Mir kommen Erinnerungen an Bauten von Hundertwasser. In Wien bin ich zur Baustelle des neuen Hauses zu Beginn der 80er Jahre gegangen. Etwas unglaublich Schönes und zauberhaft Neues! Vielleicht kennen Sie auch Bauten von Hundertwasser. Im 3. Bezirk in Wien, Kindertagesstätten oder Wohnanlagen in Magdeburg oder Bad Soden.

Jetzt kommt der besondere Hintergrund: In Wittenberg wurde die Schule schon 1975 als einfacher Plattenbau vom Typ Erfurt II erbaut. Dann wurde es den Schülern „zu bunt“ – im Gegenteil: sie wollten das triste Gebäude nicht mehr als ihre Schule täglich besuchen. Sie haben Ideen gesammelt und die Schule verwandelt.

So kann sich Schule verwandeln

Schüler*inneninitiative

Sie schrieben einen Brief an Hundertwasser und baten um seine Unterstützung. Er war dabei, er entwickelte das Konzept und die Planung und spendete sogar noch einen Kunstdruck als „Baustein“, um der Finanzierung für die Bauausführung zu helfen.

Schulverwandlung

Jetzt steht seit 1999 dieser restaurierte Bau in Wittenberg und lädt jeden Morgen die Schüler*innen zum Leben und Lernen ein. 1500 Schüler*innen können hier arbeiten und haben inzwischen auch im Innenbereich eine gut ausgestattete Europa-Schule.

Inzwischen kommen auch viele Besucher, um sich das Haus anzuschauen.

 

Wittenberg lohnt einen Besuch!

Kennen Sie Beispiele, die Sie hier teilen möchten?

Was kann Kunst? Verwandeln und verzaubern.

Grube Messel, UNESCO Weltnaturerbe

28. Juni 2022

Besucherzentrum Grube Messel bei Darmstadt

Museumsmittwoch – Grube Messel

Sommerferien und herrliches Wetter, kommen Sie mit in die Grube Messel! Diesmal begleite ich Sie an einen Ort im Global Geopark Bergstraße/Odenwald in der Nähe von Darmstadt.

Dieser „Museumsbesuch“ in der Natur ist für Kinder und Erwachsene, Jugendliche und Familien geeignet, denn die Angebote sind auf alle Zielgruppen ausgerichtet.

Fossilien in der Schatzkammer des Besucherzentrums

Bevor ich die Grube vorstelle, die drei Highlights vorab: Man kann Regenwald erleben, einen Vulkanausbruch nacherleben und Tieren begegnen, die vor – Achtung – 48 Millionen Jahren im Regenwald hier gelebt haben. Das ist unvorstellbar? Ja, das finde ich auch.

Blick über das Grubengelände mit Vulkankrater

Was ist das für eine Grube?

Seit 1859 fand hier Abbaubetrieb statt, man wollte die Erze nutzen und den Ölschiefer darunter, der dann in der Nähe verschwelt wurde, damit man erdölhaltige Produkte herstellen konnte. Dieser Betrieb wurde erst 1971 eingestellt.

Schon 100 Jahre vorher hat man beim Abbau ein Skelett eines Alligators gefunden und dann eine wissenschaftliche Bearbeitung begonnen. Immer mehr Tierskelette kamen zum Vorschein.

Besucherorientierung mit Schautafeln

Müll an diesem Ort? Fossilien sind nicht wichtig

Eine zentrale Mülldeponie sollte seit 1974 in Südhessen in dieser Grube eingerichtet werden. Parallel war zunächst auch Fossilgrabung durch das Senckenberg Forschungsinstitut möglich. 1981 begannen Bauarbeiten für die Mülldeponie.

Originalfunde im Museum

Danke Bürgerinitiative!

Ohne das große Engagement der Bürgerinitiative für den Erhalt der Grube als Fenster zur Erdgeschichte und Forschungsort, hätte heute die Grube keine Bedeutung mehr. So aber wurde sie 1995 zum ersten deutschen UNESCO Weltnaturerbe.

Besucherzentrum

Das Besucherzentrum zeigt die Skelette der Tiere, die Spuren der Pflanzen und die Techniken einer solchen Ausgrabung. Unglaublich, dass 48 Millionen Jahre zwischen dem Leben des kleinen Schmetterlings und mit heute liegen.

Wir Menschen sind Teil großer biologischer Abläufe und merken auch in unserem Leben, dass wir nur mit und in der Natur leben können – nicht ihr gegenüber.

48 Millionen Jahre alte Funde

Museum in der Natur

Die Grube Messel – mein Museum in der Natur – ist ein sehr schöner Ort, um Natur und Erdgeschichte zu erleben. Alle Angebote und Erlebnisführungen lohnen sich.

Internationale Wald-Kunst-Projekte finden hier statt. So stehen manche Kunstwerke in der Landschaft. Besuchen Sie die Grube und berichten hier von Ihrem Erlebnis.

Was kann Kunst? Landschaft stimulieren und achtsam machen!

20. Juni 2022

Was kann Kunst? Landschaft stimulieren und achtsam machen!

Kommen Sie mit nach draußen und lassen Ihren Blick in die Ferne schweifen. Ich überlege, wie viele Städte ich schon von oben sehen konnte. Woran erinnere ich mich genau? Wo stehen Sie jetzt gerade in Ihren Gedanken?

Blick über Bilbao

Blick über Bilbao

Mein Foto zeigt uns die Stadt Bilbao in Nordspanien.

Ich frage mich, was wir eigentlich brauchen und was zusammenkommen sollte, damit wir etwas als Erinnerung mitnehmen können? Was meinen Sie, sind es Gerüche, Ausblicke, Menschen, die uns begleiten – was hilft?

Juanjo Novella, La Huella

Stahlskulptur La Huella

Hier auf dem Berg oberhalb von Bilbao steht eine Stahlskulptur. Sie ist ca. 6 Meter hoch, durchbrochen und gebogen. Ich gehe um die Skulptur herum und freue mich über die Sonnenstrahlen, die durch die Löcher fallen. Ringsherum sehe ich auf dem Boden Licht- und Schattenflecken. Es ist ein Spiel mit dem Licht und der Landschaft.

Juanjo Novella, Detail

Fotomotive und mehr

Ich bleibe stehen, schaue wieder über die Stadt Bilbao und suche nach Motiven, die sich für ein Foto nutzen lassen. Immer wieder umkreise ich die Skulptur, natürlich sind noch viele andere Menschen hier oben.

Juanjo Novella

Diese Arbeit ist ein Werk von Juanjo Novella. Er ist im Baskenland geboren und arbeitet künstlerisch mit Stahl. Er biegt und faltet große Stücke und Flächen. Sie sehen oft leicht und filigran aus. Novella arbeitet immer für den öffentlichen Raum und ausgesuchte Orte, die man gut erreichen kann.

Juanjo Novella, La Huella, Detail

Landschaft stimulieren

Er möchte „Landschaft mit Skulpturen stimulieren“. Was geschieht dann? Wenn Novella einen Ort gefunden hat und seine Arbeit in seinen Ideen entwickelt wird, ist er immer wieder dort. Die Skulptur wird nicht einfach aufgestellt, sie sollte immer einen Raum bilden und die Besucher*innen begrüßen und aufnehmen.

La Huella

Aussichten und Durchsichten – jetzt kommt noch mein Blick auf das Detail. Ich erkenne es allerdings erst, wenn ich wieder etwas Abstand gewinne und das ganze Kunstwerk anschaue: ich erkenne die Linien eines riesigen Fingerabdrucks! Was für eine Idee.

Öffentliche Skulpturen sollten Orte und nicht Sachen sein. (Novella)

Achtsamkeit – Gruß an meine Finger

Kunst kann auch Achtsamkeit wecken. Ich schaue auf meine Finger und entdecke die vielen Rillen, die mich täglich begleiten. Mir war gar nicht bewusst, wie genau diese Rillen und die Arbeit der kleinen Schweißdrüsen miteinander abgestimmt sind, damit ich jederzeit alles sicher greifen kann. Ich staune über meine Finger und betrachte wieder die riesige Stahlskulptur in Bilbao.

Wohin laufen Ihre Gedanken? Kann Kunst uns achtsamer machen?

Sehen heißt Denken (Salvador Dali)

 

Museum am Strom, Bingen am Rhein

13. Juni 2022

Bingen, Blick ins Rheintal nach Norden

Museum am Strom in Bingen am Rhein

Willkommen in Bingen zu einem Besuch des außergewöhnlich vielfältigen Museums. Ich habe vor ein paar Jahren hier eine Tagung veranstaltet und konnte die unterschiedlichen Ausstellungsbereiche für die einzelnen Projekte gut nutzen. Ich war überrascht von der Themenvielfalt, die hier präsentiert wird. Das Team um Dr. Matthias Schmandt hat in dem Gebäude eines alten Elektrizitätswerks eine abwechslungsreiche Ausstellung entwickelt.

Zugreise nach Bingen

Blick über Bingen

Exkurs: Was verbinden Sie mit Bingen?

  • Hildegard von ?
  • UNESCO Welterbe Mittelrheintal?
  • Römische Chirurgen?
  • Kloster Eberbach und den Namen der Rose?
  • Binger Loch?
  • Rheinromantik?

Zu gerne wüste ich, wohin Ihre Gedanken laufen! Vielleicht schmecken Sie auch den Nahe-Wein auf der Zunge, immerhin fließt sie ja hier in den Rhein.

Hildegard von Bingen ist allgegenwärtig

Museum am Strom

Hildegard von Bingen

Sie können in einer ersten Themenwelt Hildegard von Bingen kennenlernen oder wieder entdecken. Wenn Sie heute in einer Buchhandlung bei Work-Life-Balance, Heilkunde, gesunde Ernährung schmökern, werden Sie Bücher dieser Frau finden. Wussten Sie, dass zwischen ihrem Leben und uns 1000 Jahre liegen (1098-1179)? Woher kommt diese Aktualität?

Hildegard von Bingen war Autorin und Komponistin, Theologin und Politikerin und lebte hier in Bingen und Umgebung. Sie hat zwei große Klöster geleitet und war sicher eine gefragte Mediatorin. Stellen Sie sich vor, dass 9 Geschwister zuhause und schon ein guter Ort sind, Toleranz zu lernen.

Teil der Burg, heute Stadtverwaltung

Das „Binger Ärztebesteck“

Kleiner Exkurs besonders für Ärzt*innen geeignet: im Haus am Strom liegt ein chirurgisches Besteck, dass vor 2000 Jahren benutzt wurde (Ausgrabungsfund von 1925). Es ist schon interessant, hier zu erfahren, was römische Mediziner*innen bereits beherrschten. Das Binger Ärztebesteck ist ein einmaliger Fund in dieser Größe.

Rheinblick in Richtung Süden

Rheinromantik – was verbirgt sich dahinter?

Sie haben eine kleine Vorstellung davon, welche Musik vor 150 Jahren komponiert, gespielt und gesungen wurde? Wer war nochmal Victor Hugo oder besser noch, wann habe ich denn von Heinrich Heine mal einen Originaltext gehört? Macht das Spaß? Ja, das kann wirklich Spaß machen, denn im 19. Jahrhundert wurde das Rheintal von Bingen bis Koblenz zum Sehnsuchtsort für viele Menschen. Im Museum am Strom werden Sie in diese Zeit hineinbegleitet.

So könnte ich weiter schreiben, doch lieber motiviere ich Sie, Bingen zu besuchen und das Museum unbedingt zu erleben.

Ergänzen Sie meinen Beitrag mit ihren Tipps.

 

Kunsthalle Emden – Museum

8. Juni 2022

Kunsthalle Emden

Moin – Kunst in Emden

Moin – willkommen in Emden! Wir sind heute am Museumsmittwoch in der Emdener Kunsthalle. Die Gründung der 1986 eröffneten Kunsthalle war sehr innovativ. Niemand hätte gedacht, dass eine so große Sammlung von Bildern hier in Ostfriesland Interesse finden würde. Auf die Mischung kommt es an. Der Gründer Henri Nannen, wollte Kunst zu den Menschen bringen. Das ist ihm und seinem Team gelungen. Bis heute hat die Kunsthalle von Emden einen überregionalen Ruf erworben.

Henri Nannen

Nannen beim Anstrich und im Gespräch

Kunsthalle

Das Architektenteam Ingeborg und Friedrich Spengelin aus Hannover hat den Gründungsbau 1986 und die Erweiterungen der Anlage im Jahr 2000 entworfen. Inzwischen gibt es auch eine Malschule, 2007 wurde eine umfangreiche Renovierung durchgeführt. Heute stehen 1700qm Ausstellungsfläche zur Verfügung.

Bildrestaurierung mit Überraschungen

Was sich dahinter verbirgt

Sammlungsschwerpunkt

Der Sammlungsschwerpunkt liegt auf Bildern, die in den letzten 100 Jahren gemalt wurden. Nannen, auch Gründer des Stern-Magazins, interessierte die aktuelle Zeitgeschichte. Er sah zum Beispiel beim Besuch des deutschen Botschafters in Moskau sozialkritische Bilder junger Künstler. Nannen besucht die Künstler*innen sofort in ihren Ateliers und konnte Leihgaben zu einer Ausstellung „Glasnost“ nach Emden holen.

Sonderausstellungen

Kleine, feine Sonderausstellungen wechseln schnell. Von Frida Kahlo geht es zu Andy Warhol und jetzt ab Juni heißt es „Mythos Wald – das Flüstern der Blätter“. Der Mensch ist der Natur verbunden. Mehr noch, er ist ein Teil der Natur. Künstlerische Arbeiten, die sich mit dem Wald auseinandersetzen, bieten oft überraschende Erkenntnisse, die wir als Betrachtende sofort verstehen können. Es werden Arbeiten gezeigt, die 100 Jahre alt sind oder gerade erst entstanden sind. Die Ausstellung bleibt bis 31.10.22 geöffnet.

Kinder im Mittelpunkt

Ich möchte Sie auf einen besonderen Schwerpunkt der Museumsarbeit aufmerksam machen. Es sind die Kinder, denen man auf Augenhöhe begegnet. Auch das war übrigens ein Anliegen von Henri Nannen. Seine Frau Eske Nannen begründete 2003 die große Jugend-Bildungs-Kultur-Initiative „Kinder zum Olymp“ mit.

Henri Nannen mit Kindern in der Malschule

Kinder stehen im Mittelpunkt des Interesses: was sehen und beobachten sie? Kinder führen Kinder zu den Bildern, Kinder sprechen mit den Museumsleuten. Meinen Sie vielleicht, dass Sie kein Kind mehr sind und es deshalb nicht so interessant sein könnte?

Ja, doch die Vermittlung wird so lebendig durch die Kinder! Da kann Museum überhaupt nicht mehr langweilig sein.

CoBrA

Kurzreise August

Vom 24.-26.8.22 fahre ich nach Groningen und Emden in die Kunsthalle. Kommen Sie mit zur kleinen Studienreise. Alle Informationen hier: Lebenskunst in Groningen – Kunsthalle Emden – August 2022

Der Besuch lohnt aus vielen Gründen!

The Great Good Place – Forum Groningen

27. Mai 2022

Forum in Groningen

Forum, Groningen, 2019

The Great Good Place

Ein warmer Sommertag mittags in einer City. Kennen Sie das Gefühl, nicht so richtig zu wissen, wo Sie jetzt eigentlich gerne hin möchten? Man möchte nichts einkaufen oder essen, es muss auch kein Café sein, ein gemütlicher Ort „einfach nur so“ wäre prima. Alleine zuhause sitzen ist keine gute Alternative. Wo kann man sitzen, das Tablet nutzen, ein Buch lesen oder mal nichts tun?

Forum Groningen, Leseplätze

Forum in Groningen

Also auf zu `The Great Good Place’!

Heute gehe ich mit Ihnen in das Forum nach Groningen: moderne Architektur, 45 m hoch, mitten in der Altstadt, ein sogenannter Dritter Ort. Was ist das?

Forum Groningen, Arbeitsplätze mit Fernsicht

Der Dritte Ort

Der Erste Ort ist Ihre Wohnung, Ihr Zuhause, der Zweite Ort ist die Arbeit oder die Schule und dann gibt es Dritte Orte. Der Begriff stammt aus der Soziologie und wird 1989 von Ray Oldenburg in seinem Buch The Great Good Place konzeptionell vorgestellt. Aus den wesentlichen Punkten wähle ich einige aus:

  • Auf neutralem Boden, barrierefrei
  • Offen für alle Bevölkerungsschichten
  • Konversation und Kultur erwünscht
  • Einfache Erreichbarkeit
  • Spielerische Stimmung

Diese Idee ist inzwischen viel diskutiert, kritisiert und weiterentwickelt worden. In den Niederlanden, Schweden und Norwegen finden sich interessante Beispiele.

Grüne Installation 2022

Rolltreppen im Forum

Groningen

Das Forum kostet keinen Eintritt, niemand muss etwas konsumieren. Das Gebäude ist hell und durch lange Rolltreppen über viele Ebenen erschlossen.  Es gibt WLAN, gemütliche Sitzplätze, die öffentliche Bücherei hat Angebote auf allen Ebenen aufgestellt. Es ist ein Ort mit vielen kulturellen Veranstaltungen, es gibt einen Kinosaal, ein Café, eine Musikbühne auf der Dachterrasse. Ich halte mich hier gerne und lange auf. Viele Menschen sind unterwegs, kein Platz ist leer. Wie wird das erst im Winter sein, wenn draußen auf den Parkbänken Schnee liegt?

Geschichte des Forums

2019 wurde das Forum eröffnet. 2007 wurden zu einem internationalen Wettbewerb sieben Büros eingeladen. NL Amsterdam gewann und erhielt den Auftrag. Der Bau konnte zwischen 2012 und 2019 in der Stadt am Nieuwe Markt gebaut werden. Dazu wurde ältere Bausubstanz im Herzen der Stadt abgebrochen. Das Forum gehört der Gemeinde und wird von einer Stiftung betrieben. Ein Besuch lohnt sich.

Forum Groningen, Blick von der Dachterrasse

Niederlande und NRW

Dritte Orte sind in Delft und Rotterdam entstanden, es läuft auch ein großes Förderprojekt des Landes NRW noch bis 2023. Aktuell in der Förderung sind Bergneustadt, Borken, Löhne, Nettersheim, Waltrop u.a.

Kriterien sind eine gute Erreichbarkeit, möglichst ein zentrales, identitätsstiftendes Gebäude, ausgedehnte Öffnungszeiten, besonders abends und an den Wochenenden. Es ist die Kooperation verschiedener Akteure räumlich und organisatorisch vorgesehen, niederschwellig, kostenlos, barrierefrei.

In Köln gibt es inzwischen (seit 6.5.2021) ein vom Rat beschlossenes Förderprogramm Dritter Orte in den Stadtteilen.

Vielfältige Nutzungen

Sinnvoll? Neu?

Mein Besuch des Forums in Groningen war Anlass zu vielen Gesprächen und der Beginn einer umfangreichen Recherche. Das Forum in Groningen ist sehr groß, es war teuer und kann sicher kritisch hinterfragt werden. Brauchen wir hin und wieder solche Großprojekte, die uns locken, anders zu denken, etwas Ungewohntes zu erleben? Wir kennen solche Orte der Begegnung als Jugendzentren, Offene Türen, Welt- und Kulturhäuser und in vielen weiteren Variationen.

Liegen hier für unsere von Leerstand bedrohten Innenstädte interessante Impulse für Nutzungen? Machen Sie sich auf die Suche und schreiben Sie in den Kommentar, wenn Sie solche Orte kennen oder besucht haben.

Lesen mit Fernblick oder ein kleines Nickerchen!

Als Tipp für Sie noch ein Hinweis auf meine Kurzreise im August nach Groningen und Emden.

Alle Informationen hier: Lebenskunst in Groningen – Kunsthalle Emden – August 2022

Forum Groningen über den alten Häusern der Stadt